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Was tun, wenn Berührungen fehlen

Es gibt diese Menschen, die sich ständig umarmen. Früher mochte ich das nicht.

Ich ging körperlich und emotional auf Distanz, wenn mich jemand umarmen wollte.

Wie bereits in dem 80er Jahre Klassiker Dirty Dancing beim Tanzunterreicht mitgeteilt wurde: Das ist mein Tanzbereich und das ist dein Tanzbereich – so hielt ich mich immer in meinem persönlichen Komfortraum auf. Kam mir jemand zu nah, versteifte ich sogar fast.

Umarmen kam bei mir nur bei Personen in Frage, die mir sehr nahestanden. Warum sollte ich fremde Personen an mich ranlassen? Warum sollten sie mich berühren? Menschen, die sich täglich sehen umarmen sich bei Begrüßungen? Ich konnte den Sinn darin nicht erkennen.

Ich umarmte höchstens gute Freunde, wenn ich sie mindesten 3 Monate nicht gesehen hatte.

Alles andere war doch fast schon Zeitverschwendung.

Dennoch fehlten mir oft genau diese Berührungen. Während sich andere bei einem Wiedersehen umarmten, stand ich oft, wie Falschgeld alleine daneben. Ich wollte – doch ich konnte nicht.

Warum Berührungen wichtig sind

Der Mensch braucht Berührungen, um gut zu leben. Umarmungen haben eine positive Wirkung auf uns.

Bereits bei Neugeborenen Babys sind Berührungen wichtig. Sie erschließen unsere Welt vor allem durch den Tastsinn. Körperkontakt und Berührung spielen für ihre Entwicklung deshalb eine ganz besondere Rolle. Eine Studie zeigte: Mangelnde Nähe zu den Eltern und schmerzhafte medizinische Prozeduren können die taktile Wahrnehmung von Frühgeborenen nachhaltig beeinträchtigen.

Berührung, wie etwa eine Umarmung ist also essenziell für das Wohlbefinden und die Entwicklung des Menschen. 

Was passiert genau bei einer Umarmung?

Während einer Umarmung schütten wir das Hormon Oxytocin aus, dass unser Stresslevel senkt und damit einhergehend Schmerzen und Ängste verringert. 

Neben Oxytocin schüttet unser Gehirn noch mehr aus, nämlich Dopamin und Serotonin, das sind die Glücklichmacher unseres Körpers, sie hellen sofort die Stimmung auf und können langfristig Depressionen vorbeugen.

 

Umarmen tut gut!

Umarmen tut einfach gut. Empfangen wir regelmäßig eine Umarmung oder eine Berührung, kann sich das außerdem positiv auf unsere allgemeinen Gesundheitszustand auswirken, denn es stärkt unser Immunsystem und kann den Blutdruck senken. 

Wir fühlen uns rundherum besser, wenn wir umarmt werden. 

Das Gefühl des angenommen werden stärkt zudem unser Selbstbewusstsein. Menschen, die umarmt werden, sind generell positiver aufgestellt und stressresistenter und fühlen sich nicht einsam.

Soziale Distanz und nun?

Als Single fehlen mir gerade jetzt in erster Linie Berührungen und soziale Kontakte. „Normalerweise“ sind Umarmungen unter Freunden sehr hilfreich. 

Selbst der Handkontakt bei einer Begrüßung, da schnelle und unabsichtliche Berühren beim Vorbeigehen, beim Bezahlen, in der Bahn – die fehlen gerade jetzt. 

In Zeiten von Corona leben wir in der sozialen Isolation. 

Als Alleinstehende und Alleinlebende Person können wir uns Berührungen gerade nirgendwo holen. Keine Massage, keine Umarmungen unter Freunden und auch kein Date mit Berührungspotential ist möglich.

Menschen, die gut mit sich selbst und in ihrer Mitte sind, haben es leichter.  Vermissen, Sehnsucht und fehlender Körperkontakt ist besser auszuhalten, wenn wir uns selbst nicht im Mangel fühlen und grundsätzlich gut mit uns selbst leben können. 

Das heißt, wir sollten uns jetzt unbedingt um unsere Selbstfürsorge – um unser Self Care – kümmern.

7 Dinge, die du für dich tun kannst, um fehlende Nähe auszugleichen:

  • Geh raus in die Natur

Gerade Bäume sind großartige Nähespender. Einen Baum zu umarmen mag vielleicht etwas albern klingen. Tu es trotzdem. Probier es einfach aus. Lehn dich gegen einen großen stabilen Baumstamm – berühre ihn mit der Hand und fühle einfach mal. Ich verspreche dir, es wird dir gut tun.

  • Laufe Barfuss

Schuhe und Socken ausziehen und Barfuss über eine Wiese laufen oder mit nackten Beinen in einem Bach waten. Die bloße Berührung unserer Haut mit der Natur, erdet dich und gibt dir gleichzeitig ein Gefühl von Lebendigkeit.

  • Bewegung und Sport

Fühle dich und deinen Körper ganz bewusst. Ein leichtes Brennen in den Muskeln lässt dich deinen Körper besser wahrnehmen. Ein paar Übungen zu Hause oder ein leichter Lauf reichen bereits aus.

  • Körperpflege – Dein Körper ist der Tempel, indem deine Seele wohnt!

Tu dir selbst Gutes. Pflege dich und deinen Körper ganz intensiv. Baden, ausgiebig duschen, ein Peeling und tägliches eincremen sorgt auch für Berührungen. Seinen eigenen Körper zu berühren, sich selbst bewusst zu sein gibt dir ein gutes Gefühl.

  • Masturbation

Ja, auch das gehört dazu, wenn du sich selbst besser spüren möchtest. Date dich selbst. Spiel mit dir. Berühr dich und schenk dir das, was du gerne hast. Sei gut zu dir. Nimm dich selber in den Arm und zelebriere diese besondere Zeit mit dir ganz bewusst und intensiv.

  • Schreibe täglich Gedanken und Gefühle auf

Sei dankbar für kleine Dinge, die dir begegnen. Mach sie dir bewusst, indem du jeden Abend deinen Tag reflektierst und 2-3 Dinge findest, die dir ein gutes Gefühl vermittelt haben. Über was hast du dich gefreut? Vielleicht der Schmetterling, der vor deinem Fenster herumflatterte? Das lachende Kind aus dem Garten der Nachbarn oder die Nachricht einer Freundin? Konzentriere dich auf die guten Dinge!

  • Lächle deine Mitmenschen an

Auch aus der Ferne kannst du Nähe vermitteln. Lächle und grüße fremde Menschen, wenn du ihnen begegnest. Vielleicht ergibt sich auch ein kleiner Smalltalk. Das geht auch mit 1,5 Meter Abstand.

 

Mittlerweile habe ich gelernt zu umarmen.

Ich habe mich mit mir und meinem inneren Kern beschäftigt, habe Glaubenssätze und Verhaltensweisen entdeckt, die sich bereits in frühester Kindheit manifestiert haben.

Die meisten Menschen, die Nähe scheuen, haben sie auch als Kind nie wirklich erfahren.

Ich musste lernen Nähe zuzulassen. Erst die Nähe zu mir selber, im alleine sein und dann die Nähe zu anderen. Als ich das einmal überwunden hatte und zulassen konnte, dass eine Umarmung einfach da ist, ein Geschenk ist und nichts von mir fordert – erst dann konnte ich Umarmungen genießen.

Mir persönlich ist allerdings erst jetzt bewusst geworden, wie sehr ich menschliche Nähe vermisse und wie gut sie mir tut. Höchstwahrscheinlich werde ich nach dieser Corona-Krise viel bewusster andere Menschen umarmen und sicher auch mal bei einer Free Hugs Aktion teilnehmen.

Ich freu mich bereits darauf!

Und solange das noch nicht möglich ist, konzentriere ich mich auf das, was ich habe anstatt auf das, was gerade nicht möglich ist.

Wir alle lernen gerade, was wirklich wichtig ist. Einfache und vor allem echte Umarmungen gehören auch dazu.

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